Eine Frau deutet auf ihren Hals.
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Länger leben auch ohne Chemotherapie

Die Standardtherapie des fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinoms des Ösophagus (ESCC) basiert bislang überwiegend aus Chemotherapie-Protokollen. Nun zeigte sich aber in der Phase-3-Studie CheckMate-648, die während des amerikanischen Krebskongresses 2021 vorgestellt wurde, dass sowohl eine doppelte Immuntherapie als auch eine Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie (CT) zu einem längeren Gesamtüberleben im Vergleich zu nur CT führte. Die Kombination aus den beiden Immuntherapeutika Nivolumab und Ipilimumab ist die erste Chemotherapie-freie Erstlinienbehandlung, die Benefits für diese Patienten zeigen konnte. In die Phase-III-Studie CM-648 waren 970 Patienten mit bisher unbehandeltem und nicht resezierbaren fortgeschrittenem oder metastasiertem Ösophaguskarzinom mit Plattenepithelhistologie aufgenommen worden. Sie wurden in drei Arme randomisiert und erhielten zwei Jahre lang oder bis zum Progress Nivolumab und Chemotherapie (5-Fluorouracil und Cisplatin), Nivolumab plus Ipilimumab oder CT allein.  Für die Kombination aus Nivolumab plus CT betrug das mediane OS 15,4 Monate vs. 9,1 Monate im CT-Arm bei den Patienten mit PD-L1 Expression ≥ 1% (HR: 0,54, p < 0,0001) und 13,2 Monate vs. 10,7 Monate in der Gesamtpopulation (HR: 0,74, p = 0,0021).  Für die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab betrug das mediane OS im Vergleich zur CT 13,7 vs. 9,1 Monate bei den Patienten, deren Tumoren PD-L1 exprimierten (HR 0,64, p = 0,001) und 12,8 vs. 10,7 Monate in der Gesamtpopulation (HR 0,78; p = 0,011). Nebenwirkungen und schwere Nebenwirkungen (≥ Grade 3) waren in den drei Armen vergleichbar. Zu Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen kam es am häufigsten im Nivolumab/CT-Arm. „Die klinisch bedeutenden Verlängerungen des Überlebens in den beiden IT-Armen unterstreicht die Bedeutung der Immuntherapie in der Krebsbehandlung“, fasst der leitende Autor Ian Chau, Sutton, UK zusammen. „Nachdem sich dieser Mehrwert der Immuntherapie schon in der Behandlung vieler anderer Entitäten gezeigt hat, sollte mit den Ergebnissen dieser Studie nun Nivolumab plus CT oder Nivolumab plus Ipilimumab der künftige Erstlinienstandard bei der Behandlung von ESCC werden.“ Auch bei der Erstlinientherapie des Adenokarzinoms des Ösophagus, Magens und des gastroösophagealen Übergangs führt die Kombination aus Nivolumab und CT im Vergleich zur CT zu einem längeren Überleben, was möglicherweise auch hier den bisherigen Therapiestandard ändert. Das zeigten die neuen Effizienzdaten der CM649.

Dr. Annette Junker 

Quelle: Satelliten-Symposium: „Neue Therapiestrategien des Oberen Gastrointestinaltrakts“, 7. Juni 2021, ASCO 2021. Veranstalter: BMS