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Neue Substanzen und Kombinationen mit Checkpoint-Inhibitoren verbessern stetig das Therapiespektrum des fortgeschrittenen nicht-kleinzelligem Lungenkarzinoms (NSCLC). Prof. Dr. med. Martin Reck, Chefarzt an der LungenClinic Großhansdorf, präsentierte hierzu aktuelle Studiendaten zum PD-1-Inihibitior Cemiplimab.

Cemiplimab wurde als Erstlinien-Monotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC mit einem PD-L1-Status (Programmed cell Death Ligand) von mindestens 50 % untersucht und mit einer platinhaltigen Chemotherapie verglichen (EMPOWER-Lung 1, n = 710).


In der PD-L1 ≥ 50%-Population (n = 563) wurde das mediane OS mit Cemiplimab (n = 283) nicht erreicht (95%-KI: 17,9–nicht auswertbar) versus 14,2 Monate mit Chemotherapie (n = 280; Hazard Ratio [HR] 0,57 [0,42–0,77]; p = 0,0002). Das mediane PFS betrug 8,2 Monate unter Cemiplimab versus 5,7 Monate unter Chemotherapie (HR 0,54 [0,43–0,68]; p < 0,0001). Behandlungsbedingte Nebenwirkungen vom Grad 3 bis 4 traten bei 28 % der mit Cemiplimab behandelten Patienten und 39 % mit Chemotherapie behandelten Patienten auf.

Die Cemiplimab-Monotherapie (Libtayo®) verbesserte das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben im Vergleich zur Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit einer PD-L1-Status ≥ 50 % signifikant und bietet somit eine potenzielle neue Behandlungsoption für diese Patientenpopulation, schlussfolgerte Prof. Reck.

Aspekte zur Wahl der Erstlinien-Therapie

Zwei wichtige Aspekte bei der Wahl der Erstlinien-Therapie sind Krankheitsfaktoren (z. B. Histologie, PDL-1-Expression, Remissionsdruck, Metastasen) und Patientenfaktoren, wie beispielsweise ECOG PS, Komorbidität, Raucherhistorie und Patientenpräferenz, nannte Dr. Wilfried Eberhardt, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie an der Ruhrlandklinik / Westdeutsches Lungenzentrum am Universitätsklinikum Essen.

Viele PD-L1-Hochexprimierer sprechen gut auf Monotherapien, die häufig deutlich nebenwirkungsärmer als Kombinationstherapien sind, so die Erfahrung von Eberhardt. Patienten mit hohem Remissionsdruck, Nie-Raucher und Patienten mit oligometastatischer Erkrankung (hepatisch und cerebral) zeigen im Allgemeinen ein höheres Ansprechen unter Kombinationstherapien. Die Wahl der Therapie bleibt jedoch stehts eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam im Gespräch mit dem Patienten getroffen wird, betonte der Experte.

Dr. Christine Willen

Literatur:

1. Sezer A et al. Lancet 2021; 397(10274): 592–604

Quelle: Virtuelles Symposium: „Im Zeitalter der Immuntherapie beim NSCLC – Entscheidungsfindung heute und morgen“, 3. Juni 2021 anl. des DGP-Kongresses 2021. Veranstalter: Sanofi