Eine schwangere Krebspatientin.
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Frauen, die aktuell an einem Malignom erkrankt sind oder früher eine Krebserkrankung ausgestanden haben, müssen darüber aufgeklärt werden, dass mit einer erhöhten Rate an Geburtskomplikationen zu rechnen ist. Das betrifft sowohl die Frühgeburtsrate als auch ein erhöhtes Risiko für Kardiomyopathien, Schlaganfall und Nierenschäden.

Eigentlich nicht neu: Wer eine Krebserkrankung überstanden hat, hat generell mit mehr gesundheitlichen Problemen zu kämpfen als Menschen ohne eine Karzinom-Diagnose. Doch wie gefährlich wird es im Falle einer Schwangerschaft und der Entbindung, die per se schon eine große Belastung für den Organismus mit sich bringen? Mit welchen Risiken genau zu rechnen ist und wie groß diese für Schwangere sind, die entweder aktuell oder auch früher an einem Malignom erkrankt sind, wollten britische Wissenschaftler nun wissen.

Über 43 Millionen Entbindungen ausgewertet

Sie werteten aus der US National Inpatient Sample Datenbank die Daten von über 43 Millionen Entbindungen aus, von denen 39.118 der werdenden Mütter eine aktueller Krebserkrankung hatten und 67.336 eine Krebsdiagnose in der Vergangenheit.

Die fünf häufigsten aktuellen Entitäten waren hämatologische Malignome, Schilddrüsenkrebs, Zervix-Karzinom, Melanom und Brustkrebs.

Frühgeburtsrisiko erhöht

Die meisten Krebsarten (aktuell und früher) waren mit Frühgeburten assoziiert:

  • Blutkrebs: bereinigte Odds Ratio (adjusted Odds Ratio=aOR) 1,48; 95 % Konfidenzintervall KI 1,35 −1,62
  • Gebärmutterhalskrebs: aOR, 1,47; 95 % KI, 1,32−1,63,
  • Brustkrebs: aOR 1,93; 95 % KI 1,72−2,16.

Bei Frauen mit aktueller Tumorerkrankung war das Frühgeburtsrisiko um das 1,7-fache erhöht.

Im Vergleich zu Frauen ohne Malignom hatten die Schwangeren mit aktueller oder früherer Krebsdiagnose während des Aufenthaltes in der Entbindungsklinik eine höhere Sterblichkeit und erhöhtes Risiko für Nierenschäden und Schlaganfall.

Höchste Risikorate bei aktuellem Blutkrebs

Am  gefährlichsten ist die Entbindung offenbar für Frauen mit einer aktuellen hämatologischen Krebserkrankung. Sie hatten

  • die höchste Prävalenz aller mütterlicher Komplikationen und negativer Geburtsergebnisse;
  • insbesondere eine höhere Wahrscheinlichkeit für peripartale Kardiomyopathie (aOR 12,19, 95 % KI  7,75−19,19), akute Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen (aOR 3,82; 95 % KI, 2,04−7,15)
  • sowie ein höheres Risiko für postpartale Blutungen postpartale Blutungen (aOR 1,31; 95 % KI, 1,11−1,54), Gesamtmortalität (aOR, 6,50; 95 % KI, 2,22−19,07), und Plazentaablösungen.

Bei Frauen mit Hautkrebs war die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls am höchsten, während bei den Schwangeren mit Zervix- oder Brustkrebs das Risiko einer akuten Nierenschädigung und einer Frühgeburt größer war.

Totgeburtsrisiko steigt nicht

Eine aktuelle oder frühere Krebsdiagnose war nicht mit einem zusätzlichen Risiko für eine Totgeburt verbunden; Metastasen erhöhten jedoch das Risiko für Müttersterblichkeit und Frühgeburt.

Patientinnen aufklären

Die Autoren sind der Ansicht, dass ihre Ergebnisse das Verständnis der Onkologen für die langfristigen Folgen von Krebstherapien verbessern könnten. Zudem sollten Kliniker die Patientinnen über die Risiken von Multisystem-Komplikationen aufklären.

Autorin: Angelika Ramm-Fischer

Originalpublikation:

Wu P et al. In-Hospital Complications in Pregnant Women With Current or Historical Cancer Diagnoses [published online ahead of print, 2021 Jul 8]. Mayo Clin Proc. 2021; S0025-6196(21)00357-8. Doi: 10.1016/j.mayocp.2021.03.038

Quelle: Gelbe Liste Online