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Zahlreiche Therapieansätze des Follikulären Lymphoms beeinflussen das Mikroenvironment und sind erfolgversprechend. Dazu zählen CD47-Antikörper, bispezifische Antikörper und CAR-T-Zellen.

Dr. Luisa Adolph, München, sprach darüber, wie die neuen Erkenntnisse über das Mikroenvironment bei Follikulärem Lymphom (FL) für neue Therapien genutzt werden können. Bisher ist die Standardtherapie beim fortgeschrittenen follikulären Lymphom eine gegen CD20 gerichtete Immunochemotherapie. Neue Substanzklassen richten sich gegen Oberflächenepitope der Tumorzellen, gegen zellintrinsische Faktoren oder aber auf das Mikroenvironment gerichtet sind. Das Mikroenvironment ist für den Tumor sehr wichtig, so können ohne Bystander-Zellen keine Kulturen angelegt werden, da der Tumor sie so umformt, dass sie den Tumor unterstützen. Entscheidend sind CD4-Zellsubgruppen, besonders die T-Follicular-Helper-Cells, regulatorische T-Zellen, Makrophagen und Stromazellen. Auf der anderen Seite enthält das Mikroenvironment Zellen, die gegen den Tumor gerichtet sind. Therapiekonzepte, die sich des Mikroenvironments bedienen, sind zielgerichtete Therapien, die gegen Signale gerichtet sind, die das Tumorwachstum fördern oder aber Therapien, die die Aktivität des Mikrorenvironments gegen den Tumor fördern.

Lenalidomid wirkt direkt gegen die Tumorzellen, unterstützt aber auch die Wirkung von T-Zellen und NK-Zellen. In der Augment-Studie am rezidivierten refraktären indolenten Non-Hodgkin-Lymphom wurde die Kombination von Lenalidomid und Rituximab gegen Placebo und Rituximab getestet. PFS und OS waren in der Verum-Gruppe deutlich überlegen, die Ergebnisse der Studie führten zur Zulassung. Auch Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab, Atezolizumab und Ipilimumab wurden geprüft. Die Ergebnisse für Monotherapien mit diesen Wirkstoffen waren enttäuschend. Der CD137-Antikörper Urelumab ergab in einer Phase-I-Studie mit oder ohne Rituximab enttäuschende Ansprechraten und die Therapie erzeugte dosislimitierende Hepatotoxizität. Auf den CD47-Antikörper Magrolimab kombiniert mit Rituximab sprachen in einer Phase-Ib-Studie bei refraktären Non-Hodgkin-Lymphom 71 % der Patienten mit FL an. Der bispezifische Antikörper Mosunetuzumab ist gegen CD3 und CD20 gerichtet und soll T-Zellen und Tumorzelle nah zusammenbringen. Stark vorbehandelte Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom sprachen auf die Therapie in einer Phase-I-Studie zu 68 % an. Axicabtagene konnte in der ZUMA-5-Studie an Patienten mit rezidivierten refraktären indolenten Non-Hodgkin-Lymphom ein Gesamtansprechen von 94 % erreichen.

Autor: Roland Müller-Waldeck

Quelle: Wissenschaftliches Symposium auf der Jahrestagung der DGHO am 3.10.2021: Immunmodulation beim Follikulären Lymphom.