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Sowohl beim serösen Ovarialkarzinom wie auch beim fortgeschrittenen Zervixkarzinom sind die Differenzierungsmöglichkeiten für die Tumoren gewachsen, aber dies hat erst in Ansätzen zu einer präzise auf den Tumor ausgerichteten Therapie geführt. Unzählige Fragen sind offen, da vielfach Daten fehlen.

So gibt es beim low grade serösen Ovarialkarzinom zwar retrospektive Daten, die eine endokrine Therapie vorteilhaft erscheinen lassen, aber keine Daten zur Korrelation mit Markern bzw. dem Hormonrezeptor-Status, sagte PD Dr. Philipp Harter, Essen. Beim Rezidiv seien MEK-Inhibitoren eine Option, allerdings ist auch hier die Datenlage lückenhaft. In der AGO-Ovar 2.24/MILO-Studie zeigten mit Binimetinib behandelte Patienten mit KRAS-Mutante mit 17,7 gegenüber 10,8 Monaten bei KRAS-Wildtyp ein signifikant längeres PFS, ob dies aber auch für Trametinib gilt, ist unbekannt.

Beim Zervixkarzinom „fängt die Präzisionsmedizin erst an“, sagte PD Dr. Alexander Hein, Erlangen. Im Unterschied zum Plattenepithelkarzinom, dessen Häufigkeit zurückgegangen ist, ist für das Adenokarzinom ein Anstieg zu verzeichnen.

Da die Prognose beim metastasierten Zervixkarzinom schlecht ist, sollte die Wahl der Primärtherapie im Stadium IV eine individuelle Entscheidung sein; zwischen Adeno- und Plattenepithelkarzinom werden bisher keine Unterschiede gemacht. Durch Hinzugabe von Bevacizumab zur Chemotherapie ließ sich in der GOG-240 1L-Studie das mediane Gesamtüberleben von 13,3 auf 17,0 Monate steigern. In der KEYNOTE-826 Studie erhielten die Patientinnen Chemotherapie und Pembrolizumab vs. CT plus Plazebo und z.T. zusätzlich Bevacizumab. Dies erbrachte einen weiteren Vorteil im PFS, aber bisher ist unklar, inwieweit auch Patientinnen mit Adenokarzinom profitieren.

In der Zweit-und Drittlinie ist eine Monotherapie mit Cemiplimab eine Option, die aufgrund der Daten der EMPOWER-Cervical1/ENGOT-cx9-Studie zum neuen Standard werden dürfte. Auch hier ist jedoch noch nicht geklärt, ob auch Patientinnen mit Adenokarzinom einen Überlebensvorteil haben.

 Autorin: Dr. Barbara Voll

Quelle: Fortbildungssitzung „Präzisionsmedizin in der gynäkologischen Onkologie“ im Rahmen der DGHO-Jahrestagung 2021, am 4.10.2021. Vorträge: Harter P, Essen: Molekulare Diagnostik und zielgerichtete Therapien bei HGSOC und low grade Ovarialkarzinom, Hein A, Erlangen: Metastasiertes Zervixkarzinom: Adenokarzinom = Plattenepithelkarzinom?