Speiseröhre © Universitätsmedizin Mannheim

Patienten mit einem fortgeschrittenen Speiseröhrenkrebs, die auf die übliche Strahlentherapie oder Chemotherapie nicht ansprechen, haben eine schlechte Prognose im Hinblick auf die ihnen verbleibende Lebenszeit. Die meisten dieser Patienten sind über 65 Jahre alt und weisen häufig erhebliche Begleiterkrankungen auf. Die „RAMONA-Studie“, unter Leitung von Professor Dr. Matthias Ebert von der II. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), wurde in über 30 Zentren in Deutschland durchgeführt und zeigt jetzt erstmals eine vielversprechende neue Behandlungsoption für diese Patienten auf. Es ist eine Immuntherapie, die zwei sogenannte Checkpoint-Inhibitoren kombiniert: einen PD-1-Antikörper (Nivolumab) und einen CTLA4-Antikörper (Ipilimumab).

Bis dahin war diskutiert worden, ob Checkpoint-Inhibitoren überhaupt von dieser besonders empfindlichen Population älterer Patienten vertragen wird. Die Studie beschreibt nun erstmals die Sicherheit, aber auch die Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren in dieser Patientenpopulation. Die Gesamtüberlebens-zeit unter der Kombinationstherapie war signifikant höher im Vergleich zu einer historischen Kontrollgruppe, die eine Standard-Chemotherapie erhalten hatte.

Hintergrund der RAMONA-Studie waren große klinische Studien der Phase III in Asien, die den PD-1-Anti-körper als mögliche wirksame Therapie dieser bösartigen Erkrankung in den Fokus rückten. PD-1-Antikörper sind eine Untergruppe der Checkpoint-Inhibitoren, die sich gegen den Immun-Checkpoint PD-1 richten. Sie hemmen den PD-1-Rezeptor und lösen damit die durch PD-1 vermittelte Immunbremse. Eine Behandlung mit dem PD-1-Inhibitor führte bei den Patienten dieser Studien zu einem verbesserten progressionsfreien und längerem Überleben.

Da diese Studien jedoch überwiegend mit asiatischen Patienten durchgeführt wurden, die darüber hinaus oft deutlich jünger waren als es die hiesigen Patienten üblicherweise sind, sind die Ergebnisse dieser Studien auf Patienten in Europa nur bedingt übertrag-bar.

In der in Mannheim initiierten „RAMONA-Studie“ wurden nun erstmals ausschließlich ältere Patienten mit der Kombination eines PD-1-Antikörpers und eines CTLA4-Antikörpers behandelt. Die „RAMONA-Studie“ ist daher weltweit die erste prospektive, multizentrische Studie der Phase II für Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre aus Europa, im Alter von 65 Jahren und älter, die eine duale Kombinationstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren untersucht.

„Unsere Studie zeigt erstmalig, dass die Kombinations-therapie mit Nivolumab und Ipilimumab eine sichere und wirksame neue Behandlungsoption für ältere Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre ist“, sagt Professor Dr. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik der UMM und Leiter der multizentrischen Studie. „Die in der Studie untersuchte Therapie könnte daher eine echte Option sein für Patienten, bei denen die erste Behandlungsoption keinen Erfolg gezeigt hat – also eine neue Zweitlinientherapiedarstellen.“

Dies trifft insbesondere auf Patienten zu, bei denen sich eine Expression des PD-1-Liganden in den Tumorzellen nachweisen lässt (hier mit einem PD-L1 Tumor Proportion Score (TPS) von ≥ 5 %), da dies offenbar mit einem dauerhaften Ansprechen auf die Therapie und einem langanhaltenden progressionsfreien Überleben assoziiert ist.

Originalpublikation:

Ebert M et al. Second-line Therapy with Nivolumab plus Ipilimumab for Older Patients with Esophageal Squamous Cell Cancer: A multicenter, open-label Phase II Trial. The Lancet Healthy Longevity 2022; 3(6): e417–e427 DOI: https://doi.org/10.1016/S2666-7568(22)00116-7

Quelle: Universitätsmedizin Mannheim